Kirchenlehrer – Einflussreiche Heilige

Was ist eigentlich ein Kirchenlehrer bzw. eine Kirchenlehrerin?

Definition

Als Kirchenlehrer (lateinisch: doctores ecclesiae) werden jene Theologen bezeichnet, die einen großen Einfluss auf die Theologie der christlichen Kirche haben. Nur ganz wenige, besonders bedeutende Theologen wurden mit dem Titel Kirchenlehrer ausgezeichnet. In der Antike und so auch bis heute in den orthodoxen und altorientalischen Kirchen geschah eine Ernennung relativ spontan. In der römisch-katholischen Kirche wird die Erhebung zum Kirchenlehrer formell ausgesprochen.
Die acht Kirchenlehrer der Ost- und der Westkirche: Hieronymus, Ambrosius von Mailand, Augustinus von Hippo, Papst Gregor der Große, Johannes Chrysostomos, Basilius von Caesarea, Gregor von Nazianz und Athanasius von Alexandria werden von beiden Kirchen als Kirchenlehrer bezeichnet. Die römisch-katholische Kirche hat nach der Reformationszeit den Titel Kirchenlehrer eigens definiert und ihn auch Theologen späterer Jahrhunderte verliehen. Mittlerweile beläuft sich die Liste der Kirchenlehrer in der römisch-katholischen Kirche auf 35 Heilige.

Hildegard von Bingen als Kirchenlehrerin

Am 7. Oktober 2012 wurde Hildegard von Bingen von Papst Benedikt XVI. zur Kirchenlehrerin erhoben. Sie gehört damit neben Thérèse von Lisieux, Teresa von Ávila und Katharina von Siena zu den vier Frauen, denen dieser hohe Titel zugesprochen wird. Zugleich ist sie auch die erste deutsche Kirchenlehrerin.

Offizielle Erhebung durch Papst Benedikt XVI.

Alle katholischen Kirchenlehrer im Überblick

  • Albertus Magnus (um 1200–1280), deutscher Universalgelehrter
  • Alfons Maria di Liguori (1696–1787), italienischer Jurist, Bischof und Ordensgründer
  • Ambrosius von Mailand (um 340–397), Bischof von Mailand
  • Anselm von Canterbury (um 1033–1109), Erzbischof von Canterbury und Begründer der Scholastik
  • Antonius von Padua (1195–1231), portugiesischer Franziskaner und Prediger
  • Athanasius der Große (um 298–373), Bischof von Alexandria
  • Augustinus von Hippo (354–430), Bischof von Hippo
  • Basilius von Caesarea (um 330–379), Bischof von Cäsarea
  • Beda Venerabilis (um 673–735), englischer Benediktiner und Geschichtsschreiber
  • Bernhard von Clairvaux (um 1090–1153), französischer Zisterzienser und Mystiker
  • Ephraem der Syrer (um 306–373), Einsiedler
  • Franz von Sales (1567–1622), französischer Ordensgründer und Mystiker
  • Gregor der Große (um 540–604), Papst
  • Gregor von Narek (951–1003), armenischer Mönch und Mystiker
  • Gregor von Nazianz (um 329–390), Patriarch von Konstantinopel
  • Hieronymus (347–420), Bibelübersetzer
  • Hilarius von Poitiers (um 315–367), Bischof von Poitiers
  • Hildegard von Bingen (1106-1179), Äbtissin und Gelehrte
  • Isidor von Sevilla (um 560–636), Bischof von Sevilla
  • Johannes Bonaventura (1221–1274), Franziskaner und Bischof von Albano
  • Johannes Chrysostomos (344/349–407), Erzbischof von Konstantinopel
  • Johannes vom Kreuz (1542–1591), spanischer Karmelit, Mystiker und Ordensgründer
  • Johannes von Avila (1499-1569), Prediger und Gelehrter
  • Johannes von Damaskus (um 650–749), orthodoxer Mönch und Dogmatiker
  • Katharina von Siena (1347–1380), italienische Mystikerin
  • Kyrill von Alexandria (um 375/380–444), Patriarch von Alexandria
  • Kyrill von Jerusalem (um 315–386), Bischof von Jerusalem
  • Laurentius von Brindisi (1559–1619), italienischer Kapuziner
  • Leo der Große (um 400–461), Papst
  • Petrus Canisius (1521–1597), erster deutscher Jesuit
  • Petrus Chrysologus (um 380–451), Bischof von Ravenna
  • Petrus Damiani (um 1006–1072), italienischer Bischof
  • Robert Bellarmin (1542–1621), italienischer Jesuit
  • Teresa von Ávila (1515–1582), spanische Karmelitin, Mystikerin und Ordensgründerin
  • Thérèse von Lisieux (1873–1897), französische Karmelitin
  • Thomas von Aquin (um 1225–1274), italienischer Dominikaner und Hauptvertreter der Scholastik

Orthodoxe Kirchenlehrer im Überblick:

Die Ostkirche kannte in der Anfangszeit drei Kirchenlehrer:

  • Johannes Chrysostomos
  • Basilius von Caesarea und
  • Gregor von Nazian,
deren Gedenktag die orthodoxe Kirche jedes Jahr am 30. Januar begeht. In späterer Zeit wurde zudem Athanasius von Alexandria noch dazugenommen (analog zu den vier Kirchenlehrern der Westkirche). Diese vier Kirchenlehrer hat die Ostkirche mit der Westkirche gemeinsam.
Neben den offiziellen vier Kirchenlehrern kennt die orthodoxe Kirche noch weitere Heilige, die zwar nicht als solche bezeichnet werden, aber die dennoch als solche angesehen werden:
  • Gregor von Nyssa (um 335/340 bis ca. 394), Bischof von Nyssa
  • Leo der Große (um 400 bis 461), Papst
  • Maximus den Bekenner (um 580 bis 662), griechischer Mönch und Theologe
  • Johannes von Damaskus (um 650 bis 754), berühmter Theologe
  • Symeon der Neue Theologe (949 bis 1022), Theologe, Mystiker und Dichter
  • Gregorios Palamas (1296/97 bis 1359), Schriftsteller und Erzbischof von Thessalonike
  • Markus von Ephesus (1391/92 bis 1444), Metropolit von Ephesos

Quelle: www.heiligenlexikon.de

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