Biografie

Kindheit und Erziehung

Hildegard wurde im Sommer des Jahres 1098 in Bermersheim bei Alzey in Rheinhessen als zehntes Kind der Edelfreien Hildebert und Mechtild von Bermersheim geboren. Sie war ein schwächliches Kind und litt häufig unter Krankheiten. Schon bald wuchs in Hildegard eine übersinnliche Wahrnehmungskraft, die wahrscheinlich von ihren Eltern nicht ohne Furcht wahrgenommen wurde. Vermeintlich bestärkte diese Gabe die Eltern ihr Kind in die Obhut eines Klosters zu geben.
So kam sie im Jahr 1106 im Alter von acht Jahren in die Klause auf dem Disibodenberg, wo sie ab nun von ihrer Verwandten und Meisterin Jutta von Spanheim für das geistliche Leben erzogen wurde. Im Kloster wurde Hildegard besonders im Lesen der Bibel, in Psalmengesang, in der Liturgie sowie in der Ordensregel des heiligen Benedikt unterrichtet. Sie empfing in dieser Zeit bereits Visionen, die sie aber für sich behielt, um damit nicht ihr Umfeld zu belasten.

Klostereintritt

Hildegards Entscheidung für das Leben im Orden wurde 1114 durch das Ablegen der ewigen Gelübde besiegelt, womit sie offiziell dem Benediktinerorden beitrat. Vom heiligen Otto, dem Bischof von Bamberg, empfing sie dazu den Ordensschleier. Als ihre Lehrerin Jutta von Spanheim im Jahr 1136 verstarb, wurde sie im Alter von 38 Jahren zur geistlichen Mutter (Magistra) ihrer Gemeinschaft gewählt. Die Wahl aber nahm sie nur zögernd an, aufgrund ihres kränklichen Zustands und der Belastung durch die Visionen. Sie mäßigte etwas die Askese der Gemeinschaft, indem sie die Speisebestimmungen locketre und die sehr langen Gebetszeiten kürzte, was nicht selten zu auseinandersetzungen mit Abt Kuno von Disibodenberg führte.

Erste Schauperiode der Visionen und Beginn des öffentlichen Wirkens

Ab 1141 begann die erste große Schauperiode ihrer Visionen (interner Link zu „Mystik“), die sie in dem Werk „Liber Scivias Domini“ - Wisse die Wege Gottes - in Zusammenarbeit mit ihrem Beichtvater, Propst Volmar von Disibodenberg und ihrer Vertrauten, der Nonne Richardis von Stade auf Latein niederschrieb. Dieses Werk entstand im Laufe eines Jahrzehnts und gliedert sich in drei große Teile:

  • „Das Mysterium der Dreieinigkeit Gottes“,
  • „Das Geheimnis des Bösen“ und
  • „Das Wesen der Menschen“.

Ebenfalls fällt in diese Zeit auch der Beginn ihres öffentliches Wirkens, was vor allem durch diverse Briefwechsel mit vielen hochgestellten Persönlichkeiten ihrer Zeit geschah. In dieser Form trat sie in Kontakt unter anderem mit Bernhard von Clairvaux, Papst Alexander III. und Kaiser Friedrich Barbarossa. Zur gleichen Zeit schrieb und veröffentlichte sie ihre theologischen sowie anthropologischen Vorstellungen.
Der Abt von Disibodenberg verfolgte das Leben Hildegards und ihre Niederschriften genau und brachte diese dem Mainzer Erzbischof Heinrich, dem damaligen Primas des Reiches, der seinerseits im Jahr 1147 Papst Eugen III. anlässlich der Synode von Trier über Hildegards Schau informierte. Nach eingehender Prüfung des Lebens und der Visionen durch verschiedene päpstliche Gesandte, u. a. Primizerius Adalbert, schickte der Papst ein Schreiben an Hildegard und erteilte ihr offiziell die Erlaubnis, die Visionen zu veröffentlichen. Aufgrund dieser Vorgänge, insbesondere durch die besagte Synode, erlangte Hildegard von Bingen schnell eine große Bekanntheit in ganz Europa.

1. Klostergründung: Rupertsberg

Im gleichen Jahr entschloss sich Hildegard ihr Heimatkloster Disibodenberg auch gegen den Widerstand der dortigen Benediktinermönche zu verlassen. Da der Raum für die wachsende Frauengemeinschaft zu klein geworden war, gründete sie mit etwa zwanzig Nonnen auf dem Rupertsbert bei Bingen ein eigenes Kloster. Die Klostergründung fand ihren Abschluss und ihre Bestätigung mit der Verleihung der offiziellen Urkunde durch Erzbischof Arnold von Mainz am 22. Mai 1158 sowie durch einen Schutzbrief von Kaiser Friedrich Barbarossa am 10. April 1163, die dem neu gegründeten Kloster auch das Recht der freien Äbtissinnenwahl zusprachen.
Die Anfangsjahre des Klosters waren vor allem gekennzeichnet von wirtschaftlichen Opfern und streitsüchtigen Schwestern, denen die Ordensregel zu streng war. Als diese jedoch das Kloster verließen, blühte die Gemeinschaft auf und wuchs so rasch, das auch hier bald der Platz knapp wurde.

Zweite und dritte Schauperiode ihrer Visionen

In den Jahren zwischen 1158 und 1163 beginnt Hildegard ihre zweite große Schau, unter dem Titel „Liber vitae meritorum“ („Buch von den Lebensverdiensten“) niederzuschreiben. In dieser moralischen Streitschrift thematisiert sie das Sein und das Handeln des Menschen in Bezug auf seine Umwelt und den Kosmos. Kurze Zeit später, nach einer erneuten Vision im Zeitraum von 1163 bis 1173, beginnt sie mit dem Schreiben ihres Buches „Liber divinorum operum“ („Das Buch von den Werken Gottes“).

2. Klostergründung: Eibingen

Wegen des schnellen Wachstums des Klosters Rupertsberg erwarb Hildegard im Jahr 1165 das ausgebrannte Augustinerkloster in Eibingen und gründete ein Filialkloster. Sie setzte dort eine Priorin ein und behielt sich die Äbtissinnenwürde vor.

Lebensende

Die beiden Konvente führte Hildegard bis zu ihrem Lebensende. Daneben verfasste sie weitere Schriften und schrien unablässig Briefe an die wichtigen Persönlichkeiten ihrer Zeit. Zudem unternahm sie beschwerliche Reisen durch Deutschland, wo sie als Vermittlerin zwischen streitenden Konventen auftrat und eine Vielzahl an Klerikern an ihre Pflichten erinnerte. Sie kritisierte dabei besonders die Machtgier und Prunksucht der verschiedenen Amtsträger. Im Alter von 81 Jahren verstarb Hildegard in dem von ihr gegründeten Kloster Rupertsberg bei Bingen am 17. September 1179.

Heiligsprechung

Hildegard wurde schon zu Lebzeiten wie eine Heilige verehrt. Der erste Antrag auf Heiligsprechung erfolgte bereits im Jahr 1228. Dieses offizielle Heiligsprechungsverfahren wurde von Papst Gregor IX. (1227–1241) durch eine von ihm verfasste Untersuchung begonnen, aber nicht abgeschlossen. Trotz der Tatsache, dass heute kein Abschluss eines damals auch nicht zwingend nötigen Heiligsprechungsverfahren bekannt ist, erfolgte die Kanonisation von Hildegard spätestens im Jahr 1584 mit der Aufnahme in die Erstausgabe des Martyrologium Romanum. Ihr Gedenktag in der Liturgie der Kirche ist am 17. September. In etlichen katholischen Diözesen Deutschlands wird der Gedenktag auch als Fest begangen.
Am 10. Mai 2012 dehnte Papst Benedikt XVI. die Verehrung der hl. Hildegard auf die ganze Kirche aus und erhob sie offiziell zur Heiligen. Schließlich erfolgte am 7. Oktober 2012 noch ihre Aufnahme in die Reihen der Kirchenlehrer.

Tradition und Brauchtum - Hildegardisfest

Alljährlich wird am 17. September der Gedenktag der heiligen Hildegard begangen. Dieser Tag wird in der Abtei St. Hildegard und der Stadt Eibingen als ein Hochfest gefeiert. Die Stadt Eibingen begeht dazu das so genannte Hildegardisfest, welches sich wie folgt unterteilt:

  • 1. Am Morgen wird ein feierliches Pontifikalamt gehalten.
  • 2. Anschließend erfolgt eine Reliquienprozession (seit 1857).
  • 3. Am frühen Abend wird das Fest mit dem Gebet der Vesper beschlossen.

Der Reliquienschrein ist nur an diesem Tag für alle Gläubigen zugänglich, da die Tür an der Vorderseite des Schreines während des restlichen Jahres geschlossen ist.

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