Kloster durch Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen hat in ihrer Lebenszeit zwei Klöster gegründet, die in den folgenden Zeilen kurz vorgestellt werden.

Das Kloster Rupertsberg

Im Jahr 1147 entschloss sich Hildegard Ihr Kloster Disibodenberg zu verlassen und ein eigenes Kloster zu gründen. Dazu kaufte sie von den Kanonikern in Mainz das Gelände am Rupertsberg und gründete über dem Grab des hl. Rupert ihr erstes Kloster.
Einer alten Legende nach bekam Hildegard vom Heiligen Geist diese Stelle gezeigt, wo die Nahe in den Rhein fließt. Auf dem dortigen Hügel, der nach dem heiligen Bekenner Rupertus benannt ist, sollte Hildegard den Klosterbau tätigen. Wie so oft war aller Anfang schwer und sie musste selbst mit Hand anlegen, indem sie den Innenausbau leitete und den Grundstein für eine neue Kirche legte, die am 1. Mai 1152 durch Erzbischof Heinrich I. von Mainz geweiht wurde.
Hildegard versuchte das Kloster in materieller sowie geistiger Hinsicht so unabhängig wie möglich zu machen und akzeptierte nur den Erzbischof von Mainz als Schutzherrn. Vom Abt von Disibodenberg erwirkte sie die unabhängige Seelsorger- und Abtissinnenwahl. Damit erreichte sie die Loslösung von ihrem früheren Konvent, was schließlich durch eine Urkunde Erzbischof Arnolds von Mainz am 22. Mai 1158 und durch den Schutzbrief Kaiser Friedrich Barbarossas vom 10. April 1163 offiziell bestätigt wurde.
Dieses Hildegardkloster soll nach überlieferten Beschreibungen von Wibert von Gembloux keine repräsentative Anlage gewesen sein, die auf eine bestimmte Architektur gründete. Bereits unmittelbar nach dem Tod der hl. Hildegard verlor das Kloster auch seine geistige Ausstrahlung. Im Jahr 1632 wurde es dann im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges von den Schweden zerstört und danach nicht mehr neu aufgebaut. Die Ruine des Klosters wurde seither als Steinbruch zum Bau von Wirtschaftsgebäuden des Klostergutes genutzt. Im Anschluss an die Säkularisation wurde das Klostergut verkauft, was zu einer Fortsezung der Zerstörung führte. Die letzten sichtbaren Reste der Klosteranlage verschwanden 1857, weil für den Bau der Nahetal-Eisenbahn der Felsen gesprengt werden musste, der die Ruinen der Türme und des Chores beheimatete.

Das Kloster Eibingen

Die zweite Klostergründung geschah aufgrund von Platzmangel der schnell wachsenden Gemeinschaft im Kloster Rupertsberg. So kaufte Hildegard im Jahr 1165 ein altes ausgebranntes Augustinerkloster in Eibingen, mit dessen Renovierung sie sogleich begann. Dieses Kloster wurde kurz vor dem Kauf bei einer Auseinandersetzung zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und dem papsttreuen Bischof von Mainz niedergebrannt. Dort gründete Hildegard ein Filialkloster und setzte eine Priorin ein, wobei sie sich die Äbtissinnenwürde vorbehielt.
Wie schon zuvor in Rupertsberg, so legte sie auch in der Planung und Gestaltung dieses Klosters wieder selbst mit Hand an. Allerdings wurde das Kloster Eibingen nicht so groß wie Rupertsberg, diente aber nach der Zerstörung von letzterem im Dreißigjährigen Krieg als neues Kloster für die Rupertsberger Nonnen.
Im Zuge der Säkularisierung wurde das Kloster im Jahr 1803 aufgehoben und die Klosterkirche von der Pfarrgemeinde übernommen. In den Jahren nach der Säkularisation wurde auf Betreiben von Bischof Peter Josef Blum von Limburg (1842 – 1883) und des Fürsten Karl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg mit der Planung einer Neugründung des Klosters begonnen, die über etliche Jahre hinzog.
Schließlich fand am 2. Juli des Jahres 1900 die Grundsteinlegung des neuen Klosters durch Erzabt Placidus Wolter aus Beuron statt. Der Einzug von 12 Benediktinerinnen aus der Abtei St. Gabriel in Prag, dem ersten Frauenkloster der Beuroner Kongregation, erfolgte dann endlich am 17. September 1904. Am selben Tag wurde das Kloster auch zur vollgültigen Abtei erhoben und mit allen alten Rechten und Privilegien des vorherigen Klosters ausgestattet. Die Abtei Eibingen besteht bis heute.

Zurück nach oben

Aktuelle Tipps