Werke der heiligen Hildegard von Bingen

Schriften

Die hl. Hildegard hat der Nachwelt ein umfangreiches Schaffenswerk hinterlassen. Ihre Schriften im Überblick.

1. Buch: „Liber Scivias Domini“

(„Wisse die Wege Gottes“), entstanden im Zeitraum von 1141 bis 1151: Dieses Buch erschließt den Sinn des alten und neuen Testaments sowie das Entstehen und Wachstum der Kirche. Das Werk gliedert sich in folgende drei Teile:

  • Teil 1: Das Mysterium der Dreieinigkeit Gottes
  • Teil 2: Das Geheimnis des Bösen
  • Teil 3: Das Wesen der Menschen

2. Buch: „Liber Vitae meritorum“

(Buch der „Lebensvergeltung“ bzw. der Mensch in der Verantwortung), entstanden in den Jahren 1158 bis 1163; Hildegard beschreibt hierin ein Wechselgespräch, das die 35 Tugenden mit den 35 Lastern führen:

  • 1Amor saculi (Weltliebe) ↔ Amor coelestis (himmlische Liebe)
  • Petulantia (Ausgelassenheit) ↔ Disciplina (Disziplin)
  • Ioculatix (Vergnügungssucht) ↔ Verecundia (Zurückhaltung)
  • Obduratio (verhärtetes Herz) ↔ Misercodia (Barmherzigkeit)
  • Iguavia (Feigheit) ↔ Divina Victoria (Sieg Gottes)
  • Ira (Zorn) ↔ Patientia (Geduld)
  • Inepta laetitiae (Ausschweifung) ↔ Gemitus ad deum (Sehnsucht nach Gott)
  • Ingluvies ventri (Schlemmerei) ↔ Abstinentia (Enthaltsamkeit)
  • Acerbitas (Engherzigkeit) ↔ Vera Largitas (Freigebigkeit)
  • Impietas (Gottlosigkeit) ↔ Pietas (Frömmigkeit)
  • Fallacitas (Lüge) ↔ Veritas (Wahrheit)
  • Contentio (Streit) ↔ Pax (Friede)
  • Infelicitas (Schwermut) ↔ Beatitudo (Seligkeit)
  • Immoderatio (Maßlosigkeit) ↔ Disiretio (Maß)
  • Periditio animarum (Verstocktheit) ↔ Salvatio animarum (Seelenheil)
  • Superbia (Hochmut) ↔ Humilitas (Demut)
  • Invidia (Neid) ↔ Caritas (Liebe)
  • Inanis Gloria (Ruhmessucht) ↔ Timor Domini (Gottesfurcht)
  • Inoboedientia (Ungehorsam) ↔ Oboedientia (Gehorsam)
  • Infidelitas (Unglaube, Untreue) ↔ Fides (Glaube, Treue)
  • Desperatio (Verzweiflung) ↔ Spes (Hoffnung)
  • Luxuria (Wollust) ↔ Castitas (Keuchheit)
  • Iniustitia (Ungerechtigkeit) ↔ Iustitia (Gerechtigkeit)
  • Torpor (Stumpfsinn) ↔ Fortidudo (Tapferkeit)
  • Oblivio (Gottvergessenheit) ↔ Sanctitas (Heiligkeit)
  • Inconstantia (Unbeständigkeit) ↔ Constantia (Beständigkeit)
  • Cura terrenorum (Sorge um das Irdische) ↔ Caeleste desiderium (Sehnsucht nach dem Himmlischem)
  • Obstinatio (Verschlossenheit) ↔ Compunctio cordis (Zerknirschung)
  • Cupiditas (Habsucht) ↔ Contemptus mundi (Weltverachtung)
  • Discordia (Zwietracht) ↔ Concordia (Eintracht)
  • Scurrilitas (Spottsucht) ↔ Reverentias (Ehrfurcht)
  • Vagatio (Umherschweifen) ↔ Stabilitas (Stetigkeit)
  • Maleficium (üble Tat) ↔ Cultus Dei (Gottes Dienst)
  • Avaritia (Geiz) ↔ Sufficientia (Genügsamkeit)
  • Tristitia saeculi (Weltschmerz) ↔ Coeleste gaudium (Himmlische Freude)

3. Buch: „Liber divinorum operum“

(Buch der „Gotteswerke“), entstanden von 1163 bis 1173; dieses Buch stellt den Entwurf einer eigenen Kosmologie dar - der Kosmos in Bezug zu Gott: Das Werk beschreibt die Schöpfungsordnung nach der mittelalterlichen Vorstellung von Mikrokosmos ↔ Makrokosmos als etwas, in dem die Dualismen von Leib und Seele, Welt und Kirche sowie von Natur und Gnade in die Verantwortlichkeit des Menschen gegeben sind.

4. Naturwissenschaftliche Bücher: Die Werke

  • „Physica“ (Buch der „Naturkunde“) und
  • „Causae et Curae“ („Buch der Ursachen und der Behandlung von Krankheiten“),
entstanden in der Zeit von 1151 bis 1158. Die „Physica“ behandelt die einfache Medizin, wohingegen „Causae et Curae“ als erste deutsche Naturheilkunde bezeichnet werden kann. Letztere enthält Abhandlungen über die Heilkraft von Pflanzen, Bäumen, Wurzeln, Edelsteinen, Metallen und Tieren.
Weitere naturkundliche Werke, die sie über Jahrzehnte bis zu ihrem Tod geschrieben hat, waren die Bücher „Liber simplicis medicinae“ und „Liber compositae medicinae“. In diesen Schriften hat Hildegard 280 Pflanzen und Bäume katalogisiert und nach ihrem Nutzen für Kranke aufgelistet. Ebenfalls erwähnenswert ist das „Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum“, („Buch über das innere Wesen der verschiedenen Kreaturen und Pflanzen“), was ihr den Namen als erste deutsche Ärztin einbrachte.
Neben diesen vier Hauptwerken hat Hildegard einen regen Briefwechsel mit sämtlichen Päpsten ihrer Zeit sowie zu fast allen europäischen Kaisern und Königen hinterlassen.
Darüber hinaus sind eine Sammlung von Kompositionen („Symphonia armonie celestium revelationum“), die 77 liturgische Gesänge enthält sowie ein Singspiel („Ordo virtutum“) überliefert. In letzterem außergewöhnlichen Mysterienspiel erweckt Hildegard die allegorischen Figuren ihres visionären Buches „Liber Scivias Domini“ zum Leben.
Außerdem verfasste Hildegard im Jahr 1175 eine Biographie, welche übrigens das einzige Buch ist, das sie nicht visionär empfangen hat.

Musikalische Hörbeispiele aus den Kompositionen der hl. Hildegard

O pastor animarum

De Sancta Maria - Ave Maria, Responsorium

De Spiritu Sancto

Quelle:
www.heiligenlexikon.de

Zurück nach oben

Gebete der hl. Hildegard von Bingen

Von der heiligen Hildegard sind verschiedenste Gebete überliefert, von denen wir hier einige der schönsten zusammengetragen haben.

Hymnus zu Ehren des Heiligen Geistes

Feuergeist! Preis Dir!
Du wirkest auf Pauken und Harfen.
Der Menschen Geist entbrennt von Dir, der Menschen Gezelte tragen ihre Kräfte.
Davon steigt der Wille empor und verleiht der Seele Geschmack;
ihre Leuchte ist das Sehnen.
Mit süßem Tone ruft Dich der Geist an und bereitet Dir gar vernünftig eine Stätte, die er in goldenen Werken mühevoll aufbaut.
Du aber führst immer ein Schwert, das abzuschneiden, was der schadenbringende Apfel in schwarzem Morde hervorbringt.
Wenn der Nebel den Willen und die Strebungen bedeckt, in denen die Seele fliegt und sich allum bewegt.
Aber der Geist ist die Bindung des Willens und des Sehnens.
Reckt sich aber der Geist also empor, daß er des Bösen Pupille zu sehen sucht und zum Kinnbacken des Bösen hinstrebt, dann verbrennst du - wenn Du nur willst - ihn schnell im Feuer. Neigt sich die Vernunft durch üble Werke zum Bösen, dann zerpresst und zerreibst Du sie, wenn es Dir beliebt, und führst sie durch Ergießung von Erlebnissen zurück. Zieht jedoch das Böse sein Schwert wider Dich, dann wendest Du es gegen dessen Herz zurück, wie Du beim ersten gefallenen Engel getan, wo Du den Turm seines Stolzes in die Tiefe hinabschmetterst. Aufgerichtet hast Du einen anderen Turm unter den Zöllnern und öffentlichen Sündern, die Dir ihre Sünden und Werke bekennen.
Darum preist Dich jegliche Kreatur, die von Dir lebt, weil Du die köstlichste Salbe bist für alle Brüche und eiternden Wunden, die Du in die kostbarsten Perlen verwandelst. Und nun würdige Dich, uns alle bei Dir zu versammeln und auf den rechten Weg zu führen.
Amen.

An die Engel

Fürsten der Ehre, lebendiges Licht!
Heilige Engel!
Tiefgeneigt vor der Gottheit,
Lodernd in Sehnsuchtsgluten,
Weil nimmer ihr euch ersättigen könnet
Der heilgen Fülle,
Schaut im Geheimnisdunkel der Kreatur
Ihr die göttlichen Augen.
Welch lichte Wonnen durchjubeln eure Natur,
Weil nicht sie berührte die Urtat ds Bösen,
Die aufstand in Eurem Genossen,
Dem gefallenen Engel,
Als über die innen verborgenen Zinnen der Gottheit
Den Flug er wagte und - stürzte
Qualvoll hinab in den Abgrund.
Doch seines Falles Werkzeug
Bot er in flüsterndem Rat
Dem Gebilde von Gottes Hand.

Preis sei euch, heilige Engel,
Hüter der Völker,
Deren Gebilde in eurem Antlitz sich spielgelt,
Erzengel, euch,
Die ihr die Seelen der Heiligen traget empor,
Euch, Kräfte und Mächte und Fürstentümer,
Herrschaften, Throne,
Die zum Geheimnis der Fünfzahl ihr schließet
Den heiligen Ring,
Und euch, die Siegel ihr seid der Geheimnisse Gottes
Leuchtende Cherubim, flammende Seraphim,
Lobpreis sei euch!
Ihr schaut den Herzschlag des Alten:
Denn wie von Auge zu Auge
Seht wehen ihr
Aus dem Herzen des Vaters
Die innere Kraft.

Der dreifaltige Gott

Wie drei Bestandteile im Wort zu erkennen sind,
so ist die Dreifaltigkeit in einer Gottheit zu betrachten.
Im Wort ist Klang, Kraft und Hauch.
Klang, damit man es hört,
Kraft, damit man es versteht und
Hauch, damit es ans Ziel gelangt.

Im Klang aber nimm den Vater wahr, der alles
in unermeßlicher Stärke offenbart.
In der Kraft den Sohn, der wunderbar
aus dem Vater gezeugt ist.
Im Hauch aber den Heiligen Geist,
der lieblich in ihnen erglüht.

Wo man aber keinen Klang hört, dort wirkt
auch keine Kraft, noch erhebt sich ein Hauch,
und deshalb versteht man dort auch das Wort nicht.

Gott, liebender Helfer zum Guten

Mein Gott, du hast mich geschaffen,
ich lebe durch dich und trachte nach dir,
wenn ich mit Seufzen das Gute erflehe.

Ich kenne dich ja als meinen Gott
und weiß nur, daß ich dir dienen darf,
denn du hast mir Einsicht gegeben.

O du mein Helfer bei allem Guten,
durch dich vollbringe ich gute Werke.
Auf dich will ich all meine Hoffnung werfen
und mich bekleiden mit deiner Huld.

Lob der Schöpfung

O wahrer Gott, welch große Geheimnisse
hast du in deinen Geschöpfen gestaltet und
dem Menschen, deinem großen Kunstwerk, untergeordnet.

Du hast die Kräfte deiner Allmacht schöpferisch entsandt;
du hast das herrliche Dach mit seinen Fenstern,
das Firmament mit seinen Leuchten, geschaffen.

An ihm hast du die Sonne festgemacht,
die mit ihrem Licht alles über der Erde
und unter der Erde erleuchtet.

Ihr sind die übrigen Leuchten verbunden,
und wie diese durch die Sonne leuchten,
so gehorchen dir alle Geschöpfe.

In dir und durch dich leben sie alle.
Durch deine Liebe ist alles geschaffen;
denn du, ewiger Gott, bist die wahre Liebe.

Wort des Vaters

„O Wort des Vaters,
Licht Du der frühen Morgenröte,
Du ruhest im Kreisen des Rades,
da Du rundum am Werk bist in göttlicher Macht.

Du, im vorausschauenden Geiste der Gottheit,
hast all Deine Werke zuvor schon erschaut,
so wie Du sie gewollt.
Inmitten Deiner Macht lag verborgen
all Dein Wissen vor aller Zeit.

Und so bist Du am Werk:
gleichsam im Bild eines Rades,
das alles umkreist,
das weder den Ursprung kennt
noch auf ein Ende hin weist."

Urkraft aus Ewigkeit

„O Urkraft aus Ewigkeit -:
Geordnet hast Du in Deinem Herzen das All.
Alle die Dinge der Welt,
so wie sie da sind, wie Du sie gewollt,
Du hast sie geschaffen,
aus Deinem Wort."
Das lebendige Getier im Wasser und am Himmel,
Du hast es geschaffen.
Nach deinem Bilde hast Du geformt den Menschen,
als Mann und Frau.

„Werk aus Gottes Hand"
- o Mensch du -
erschaffen in hoher Heiligkeit,
da die Gottheit, die heilige,
in ihrer Demut die Himmel durchdrang.

O wie so groß ist die Güte:
daß der Gottheit Leuchten
nun aufstrahlt im irdischen Urstoff -
daß da die Engel,
die dienen in Gott,
erschaun die Menschlichkeit Gottes!"

Hingabe

Die Seele ist wie ein Wind, der über die Kräuter weht,
und wie ein Tau, der auf die Gräser träufelt,
und wie die Regenluft, die wachsen macht.

Genauso ströme der Mensch
sein Wohlwollen aus auf alle,
die da Sehnsucht tragen.

Ein Wind sei er, indem er den Elenden hilft,
ein Tau, indem er die Verlassenen tröstet,
und Regenluft, indem er die Ermatteten aufrichtet
und sie mit der Lehre erfüllt wie Hungernde:
indem er ihnen seine Seele hingibt. Amen.

Wege zum Licht

Zwei Augen hast du, o Gott, mir gegeben,
im Dunkeln ein herrliches Licht zu schauen,
zu wählen den Weg, den ich gehen soll.
Bin ich nun sehend oder auch blind,
ich weiß, daß ich einen Führer brauche
zum Tage hin und auch zur Nacht.

Wenn ich mich im Finstern verberge,
kann ich auch Dunkles tun;
im Licht aber werde ich gesehen
und zieh’ statt Belohnung mir Strafe zu,
wenn ich es tue.

Lebendiger Gott, ich rufe dich an,
führ’ mich den Weg des Lichts
und heile meine bösen Geschwüre,
damit ich am Tage mich nicht schämen muß;
zerreiße die Stricke meiner Gefangenschaft!

Der barmherzige Gott

O Herr, ich erkenne deine Güte:
Ich ward nicht getötet ob meiner Sünden,
du ließest mir meine Freiheit.
Und im Kampf gegen mich selbst
vollbringe ich Gutes.

Du urteilst stets gerecht
und überschreitest nie das Maß.
Du schonst mich barmherzig in deiner Macht.

Ich neige mich deshalb vor dir
und gebe die Ehre deinem Namen
um deiner Barmherzigkeit willen.

Mein Gott, du hast mich geschaffen

Mein Gott, du hast mich geschaffen,
ich lebe durch dich und
trachte nach dir,
wenn ich mit Seufzen das Gute erflehe.

Ich kenne Dich ja als meinen Gott
und weiß nur, dass ich
dienen darf, denn du hast
mir Einsicht gegeben.

O du mein Helfer bei allem Guten,
durch dich vollbringe
ich gute Werke.
Auf dich will ich all mein Hoffen
werfen und mich bekleiden
mit deiner Huld. Amen.

Schmerzliche Pilgerschaft

Ich irre umher im Schatten des Todes
als Pilger im fremden Land; mein Trost ist das Ziel der Wanderschaft.

Wo bin ich, wie kam ich hierher?
Wer tröstet mich in der Gefangenschaft?
Wie kann ich diese Ketten zerreißen?
Wer schaut wohl nach meinen Wunden
wer salbt sie mit Öl und erbarmt sich?

0 Himmel, erhöre mein Rufen,
du Erde bebe vor Trauer mit mir!
Ein Fremdling bin ich ohn Trost und Hilfe.

Klagegebet

„Vater, ich habe gesündigt
gegen den Himmel und gegen mich,
das himmlische Werk, das ich bin.
Von dir gebildet, berührt von dir,
hätte ich himmlisches wirken müssen.
Doch weil ich zerstörte die Menschennatur,
sündigte ich auch vor dir.

Selbstverschuldet ist mein Verderben,
ich bin nicht mehr würdig,
dein Kind zu heißen,
weil ich deine Schöpfung in mir
ihrem von dir gesetzten Ziele
eigenmächtig entfremdet habe."

Du Tröster Geist

O Feuer-Geist,
Du Tröster Geist,
Du lebst in allem, was lebt.
Heilig bist Du, der Du Lebendiges bildest.
Heilig bist Du: Du heilest, was da gebrechlich
oder im Elend. Du salbst die Verletzten.

Heilig bist Du: Du hast gewaschen die schwärenden Wunden -:

O Geisthauch voll Heil und Heiligkeit!

O Feuerbrand der Liebe!

O Lust des Herzens
und Herzenserguß im süßen Dufte der Tugend!

O Quell der Lauterkeit,
in dem sich spiegelt,
wie Gott das Fremde sammelt
und heimholt, was noch verloren.

O Schutzwehr des Lebens,
Du läßt alle Glieder hoffen auf Einung.
Du, o Gürtel der Würde,
heilige und heile die Seligen!
Sei Schutz und Schirm
für alle, die der Feind gefangen,
mach frei, die noch in Fesseln bangen!
Will Gottes Huld doch das Heil
und nichts als das Heil!

O Feuer-Geist,
Du Tröster Geist,
Du lebst in allem, was lebt.
Lob sei dir! - Amen

O heilsamer Weg

O heilsamer Weg,
der kraftvoll sich Bahn bricht!
Alles durchdringst Du:
die Höhen, die Tiefen, den Abgrund-
Du fügest und bindest alles in eins!

Durch Dich wogen die Wolken, wehen auf die Lüfte -
die Steine träufeln vom Saft,
Quellen sprudeln hervor,
durch dich quillt aus Erden das erfrischende Grün.

Darum sei Lob Dir, Du Klang allen Lobens,
Du Freude des Lebens
voll Hoffnung und Kraft,
voll des Rühmens,
da Du uns schenkest die Gaben des Lichts!

Gläubige Bitte

Ich glaube in Treue an dich, o Gott
und vollbringe Werke im Glauben.
Mehre die Freude an jeglicher Tugend,
du meine Freude, o Herr der Welt!
In Glaube und Liebe will ich dir folgen,
denn mein Schöpfer bist du.

Wege zum Heil

Lehre mich, Gott, im Heiligen Geist
deine Wege zu geh’n,
zu empfangen die Speise des Lebens,
die du den Gläubigen reichst
zur Erwählung und Heiligung.

In die höchste Glückseligkeit
nimm mich dann gütig auf,
laß mich ruhen in deinem Schoß.

Sehnsucht nach dem Himmel

Im Himmel ist meine Heimat,
dort begegne ich auch den Geschöpfen;
Gottes Liebe ist mein Verlangen,
den Turm der Sehnsucht will ich errichten.

Was du, Gott, willst, das will ich tun.
Mit den Flügeln des guten Willens
fliege ich über des Himmels Gestirne,
um deinen Willen zu tun.

Nichts mehr bleibt mir zu suchen und zu wünschen,
ich sehne mich nur noch nach Dir.
Laß mich, o Gott, dein Saitenspiel sein
und der Zitherklang deiner Liebe.

Himmlisches Glück

Wenn ich mit offenen Augen betrachte,
was du, mein Gott, geschaffen hast,
besitze ich hier schon den Himmel.

Ruhig sammle ich im Schoß
Rosen und Lilien und alles Grün,
während ich deine Werke preise.

Dreifaltiges Leben

Lob dir, Dreifaltigkeit,
Klang und Leben bist du.
Dich loben die Scharen der Engel,
du wunderbarer, geheimnisvoller Glanz;
verborgen den Menschen,
bist du in allem das Leben.

Lob der Weisheit

O Kraft der Weisheit,
du zogst deine Bahn
umfingst das All
auf dem einzigen Weg,
der zum Leben führt.

Drei Kräfte hast du, Flügeln gleich:
Zur Höhe empor schwingt sich kraftvoll der eine,
von der Erde her müht sich der zweite,
und allüberall schwingt der dritte.


Lob sei dir, Weisheit,
würdig bist du allen Lobes!

Gottes Vorausschau

Wie wunderbar ist doch das Wissen im Herzen der Gottheit,
das von Ewigkeit her jedes Geschöpf hat erschaut.
Denn Gott, da er blickte ins Antlitz des Menschen,
den er gebildet,
er sah all sein Werk
in dieser Menschengestalt.
Wie wunderbar ist dieser Hauch,
der also den Menschen erweckte.

An Maria

O lichte Mutter der heiligen Heilkunst,
durch deinen heiligen Sohn hast Salböl du gegossen
in Wund und Wehe des Todes.
Den Tod hast du vernichtet
und aufgebaut das Leben.

Bitt deinen Sohn für uns,
du Meeresstern, Maria!

Mittlerin des Lebens und Freude voll Glanz,
Köstlichkeit jeglicher Wonnen,
die allzeit dir eigen.
Bitte deinen Sohn für uns,
du Meeresstern, Maria!

Dem Vater sei die Ehre, dem Sohn
und dem Heiligen Geist.

Der Heilige Geist

Der Heilige Geist ist lebensspendendes Leben,
Beweger des Alls und Wurzel allen geschaffenen Seins,
er reinigt das All von Unlauterkeit,
er tilgt die Schuld und salbt die Wunden,
so ist er leuchtendes Leben, würdig des Lobes,
auferweckend und wiedererweckend das All.

Die Liebe

Von der Tiefe bis hoch zu den Sternen
überflutet die Liebe das All,
sie ist liebend zugetan allem,
da sie dem König, dem höchsten,
den Friedenskuß gab.

Gebete der hl. Hildegard

Mein Gott, du hast mich geschaffen.
Ich lebe durch dich und trachte nach dir,
wenn ich mit Seufzen das Gute erflehe.

Ich kenne dich ja als meinen Gott
und ich weiß nur , dass ich dir dienen darf,
denn du hast mir Einsicht gegeben.

O du mein Helfer bei allem Guten,
durch dich vollbringe ich gute Werke.
Auf dich will ich all meine Hoffnung werfen
und mich bekleiden mit deiner Huld. (LVM III, S. 145)

O wahrer Gott, welch große Geheimnisse
hast du in deinen Geschöpfen gestaltet und
dem Menschen, deinem Abbild, untergeordnet.

In dir und durch dich leben alle Geschöpfe,
durch deine Liebe ist alles geschaffen;
denn du, ewiger Gott, bist die wahre Liebe.

Lehre mich Gott, im Heiligen Geist, deine Wege zu gehen,
zu empfangen die Speise des Lebens,
die du den Gläubigen reichst zur Erwählung und Heiligung.
In die höchste Glückseligkeit nimm mich dann gütig auf,
lass mich ruhen in deinem Schoß. (LVM, III)

O guter und milder Vater, lehre mich deinen Willen!
Du ehrfurchtgebietender Vater, verlasse mich nicht, und schenk mir dein Erbarmen! (Sc)

Vater, dein Kind schreit zu dir, du meinst es gut mit mir,
und ich erkenne dich als meinen Gott.
Ich trinke vom Tau deines Segens und lächele dir zu aus zerknirschtem Herzen.
Noch unter Tränen freue ich mich deiner und rufe zu dir:
Gott, komm mir zu Hilfe!
Mit Harfenklang antworten mir die Engel,
sie loben dich, wenn ich zu dir rufe.
Du gibst mir die Speise des Lebens,
weil ich dich bat, mich zu stärken.
Ich verlangte danach und du hast mich beschenkt. (LVM IV, S:187)

Genügsamkeit

Über den Sternen throne ich,
weil mir deine Gaben genügen.
Ich freue mich am süßen Ton der Pauken,
da ich auf dich vertraue.

Ich küsse die Sonne, umarme den Mond
und halte ihn fest; mir genügt,
was sie für mich ersprießen lassen.
Was wollte ich mehr noch wünschen,
dessen ich gar nicht bedarf?

Alles erweist mir Barmherzigkeit.
Im Haus meines Königs darf ich wohnen,
sitzen beim königlichen Mahl,
weil ich eine Königstochter bin. (LVM V,13)

Gottsuche

Zu dir, meinem Vater, will ich zurückkehren.
Ich werde mich nicht beeinflussen lassen
von meinem verkehrten Eigenwillen.
Glauben will ich an dich, meinen Herrn,
den Einen in drei Personen, dich verherrlichen und verehren
und mein Vertrauen dir schenken.
In Ewigkeit trage ich deinen Namen im Herzen.

Belebender Geist

Heiliger Geist, du belebendes Leben,
Dynamik des Alls und Wurzel der Schöpfung.
Reinige deine Schöpfung vom Schmutz,
tilge die Schuld und salbe die Wunden.
O strahlendes Leben, des Lobes wert,
erwecke und wiedererwecke das All! (Lied Nr. 15)

Wenn ich mit offenen Augen betrachte,
was du, mein Gott, geschaffen hast,
besitze ich hier schon den Himmel.
Ruhig sammele ich im Schoß Rosen und Lilien und alles Grün,
während ich deine Werke preise.

Gehorsam

Nach dem Geheiß deines Wortes
ertöne ich wie eine Zither.
Nur was von dir stammt, o Gott,
berühre, mag und erstrebe ich.

Denn von dir bin ich ausgegangen,
bin erwachsen aus dir
und will keinen anderen Gott.
Dir gehorchen, das gibt Halt.

Zum Heil bestimmt

O ewiger Gott, bewirke an uns
durch die Glut deiner Liebe,
dass wir zu jenen Gliedern werden,
die du mit gleicher Liebe geschaffen,
mit der du deinen eigenen Sohn
gezeugt hast im ersten Morgenrot,
vor deiner ganzen Schöpfung.
Blicke auf die Not , die über uns kam.
Befreie uns um deines Sohnes willen
und führe uns zu der Freude des Heils.

Gebet

Lehre mich Gott, im Heiligen Geist,
deine Wege zu gehen,
zu empfangen die Speise des Lebens,
die du den Gläubigen reichst
zur Erwählung und Heiligung.
In die höchste Glückseligkeit
nimm mich dann gütig auf,
lass mich ruhen in deinem Schoß.

Weitere Gebete finden Sie unter anderem in folgenden Büchern:

  • Hönmann, Maria-Assumpta: Umarmt vom lebendigen Licht, prophetische Worte und Gebete Hildegards von Bingen; Freiburg im Breisgau 1993.
  • Storch, Wolfgang (Hg.): Gebete der hl. Hildegard von Bingen; Kevelaer 2012.

Quelle:

Zurück nach oben

Aktuelle Tipps